»Ich wusste, dass dies meine letzten Atemzüge waren« (Lyovska 2018, Abs. 2)

Vorwort

Mai 2018

Diese Zeilen schreibt ein fünfzehnjähriges Mädchen. Ich habe sie leicht gekürzt.

Liebes Tagebuch (30.05.2018)

Ich hatte wieder einen seltsamen Traum, aber diesmal keine Insekten, die in meine Augen kriechen. Ich habe davon geträumt, wie ich im Gottesdienst saß und von einem Jungen die ganze Zeit angegrabscht wurde. Ich habe ständig versucht seine Hände wegzuschlagen, ihn wegzuschubsen oder habe den Platz gewechselt. Er war immer wieder da und ich konnte nicht vor ihm entkommen. Ein eigentlich schlimmer Traum, aber es gibt nur einen, der diesen übertreffen kann. Mein Tod.

Ich habe von meinem eigenen Tod geträumt. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich auf einer Dachterrasse stand. Umgeben von ganz viel Dynamit. Eine unsichtbare Hand ließ ein Streichholz Feuer fangen und näherte sich damit der Zündschnur. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf meine Atmung. Wurde ruhiger. Ich wusste, dass dies meine letzten Atemzüge waren und wollte sie genießen

Es gab einen riesigen Knall und Hitze. Die Explosion schleuderte mich mitten auf die Straße, wo ich von dem einen oder anderen Auto angefahren wurde. Ich öffnete die Augen und sah das nächste Auto immer näher kommen. Die Straße war bereits voll mit meinem Blut. Das Auto fuhr an mir vorbei. Irgendwie wollte ich, dass es mich überfährt. Ich wollte endlich sterben.

Dann sah ich ein kleines Mädchen, das ihre Mutter sucht. Ich rappelte mich auf und mein rechtes Bein sowie alle anderen Körperteile auf der rechten Seite waren blutunterlaufen, aufgeschlagen. Ich half dem Mädchen ohne einen Moment zu zögern. Es war, als hätte sie mir etwas Lebenskraft geschenkt. Dann wachte ich auf.

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